Wie Du Zeit fürs Wesentliche schaffst

Unser Leben gewinnt zunehmend an Geschwindigkeit. Wie in einem Hamsterrad führen wir täglich einen Kampf gegen die Uhr. Woran das liegt und wie Du wirksam mehr Zeit fürs Wesentliche schaffen kannst, erfährst du hier.

Oft haben wir den Eindruck, die Zeit würde mit jedem Jahr, welches wir älter werden, umso schneller vergehen. Der Ausspruch “Ich habe keine Zeit.” ist zu einer der Kernaussagen unserer heutigen Gesellschaft geworden. Tagsüber im Studium oder Job rennt uns die Zeit davon und selbst abends, wenn wir endlich zur Ruhe kommen könnten, fragen wir uns oft, wo die Zeit eigentlich geblieben ist.

Doch woran liegt das eigentlich? Schließlich hat doch unser Tag immer noch exakt 24 Stunden, nicht mehr und nicht weniger. Was passiert hier also?

Die Wirtschaft als Taktgeber

Die Art, wie wir als Gesellschaft in den Industrienationen leben, hat sich in den letzten Jahren rapide beschleunigt. Eine stetig wachsende Anzahl an Aufgaben muss in immer kürzerer Zeit erledigt werden. Nicht ohne Grund stehen werden immer mehr Menschen aus psychischen Gründen arbeitsunfähig (Knieps & Pfaff, 2021).

Das Arbeitsleben gibt den Takt vorMaßgeblicher Grund hierfür ist die Geschwindigkeit, mit der unsere Wirtschaft mittlerweile arbeitet. Durch die Erfindung von Fließbandproduktion, Automobil und der modernen Elektronik ist die Weltwirtschaft in den letzten 100 Jahren um mehr als 500% gewachsen.

Computer arbeiten heute in Bruchteilen von Sekunden Vorgänge ab, für die früher noch Tage benötigt wurden. Kurse an der Börse ändern sich im Mikrosekunden-Takt und genauso schnell werden die dazugehörigen Aktien gehandelt. In der Wirtschaft gilt, dass der Schnellere auch den besten Gewinn einstreicht.

Für uns Menschen bedeutet dies, dass wir uns im Sinne dieser wirtschaftlichen Beschleunigung anpassen müssen und das auch getan haben. Von uns wird verlangt, dass wir – wie ein Computer – Vorgänge möglichst effektiv und emotionslos abarbeiten, damit unser Arbeit- oder Auftraggeber ganz oben mitmischen kann.

Kein Notausstieg vorhanden

Dass diese zunehmende Beschleunigung nicht gesund ist, zeigen uns seit Jahren Zahlen über psychische Erkrankungen wie Burn-Out und Co. Der deutsche Soziologe Prof. Dr. Hartmut Rosa sieht das Problem in der Vielzahl der Möglichkeiten, die wir heute haben und in unserem Leben gar nicht mehr komplett ausschöpfen können.

Aus Angst davor, nicht mehr "up-to-dat"e zu sein, lechzen wir ständig nach Neuem und können die Gegenwart selbst kaum noch genießen. Der Professor vergleicht dieses System mit einem “sich selbst antreibenden Rad ohne Bremsmöglichkeit”. Wir können unseren Alltag also kaum noch selbst steuern, da sich das Tempo der Beschleunigung schon lange verselbständigt hat.

Doch kann es der Sinn der Sache sein, immer schneller und schneller leben, ohne überhaupt das Jetzt zu erleben? Wollen wir wirklich, wie Prof. Dr. Rosa sagt, unseren Alltag so beschleunigen, wie “ein Krebsgeschwür, was so lange wuchert, bis der Wirt tot ist”?

Selbst für Entschleunigung sorgen

In vielen Dingen, gerade im Beruf scheint man von uns zu erwarten, dass wir einfach funktionieren. Es zählt ausschließlich Effektivität.

Angst davor, online etwas zu verpassenWie Süchtige checken wir im Minutentakt Instagram, WhatsApp und unsere E-Mails, aus Angst, dass wir irgendetwas wichtiges verpassen könnten. Die Angst davor, nicht "up-to-date" zu sein ist insbesondere in den jüngeren Generationen so groß, dass für viele Menschen heute ein Tag ohne Smartphone oder PC kaum vorstellbar ist.

Dennoch hat jeder von uns noch selbst ein paar Möglichkeiten, dem eigenen Alltag etwas den Stress zu entziehen. Wir müssen nur wieder lernen, den Blick für das Wesentliche zu schärfen.

Die schiere Informationsflut, die auf uns niederprasselt lenkt uns vom Wesentlichen ab und raubt uns täglich wertvolle Lebenszeit. So erhalten auf Facebook von Freunden Links, Bilder und Videos, die wir unbedingt direkt anschauen müssen, um mitreden zu können. Oft finden wir von dort dann weitere interessante Dinge und schon hat uns der digitale Sumpf verschlungen.

Diese fehlende Fokussierung, unter der wir heute leiden, ist eines der Hauptprobleme unserer Zeit. Wir haben nach wie vor genügend davon zur Verfügung, wir müssen aber lernen, Informationen zu priorisieren und auch einmal bewusst zu ignorieren. Der Journalist Florian Opitz geht zum Beispiel in seinem Film “Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” (auch als DVD erhältlich) sehr anschaulich auf dieses Thema ein.

Die eigene Zeit sinnvoller nutzen

Einer der Hauptgründe, warum es uns an Zeit “fehlt”, ist, wie bereits erwähnt, das stetige Lechzen nach Information und Aktualität. Diese Sucht ist jedoch völlig unbegründet, da die Information heute oft für unser Leben total unwichtig ist oder wir sie ohnehin erlangen, wenn auch erst etwas später.

“Wir haben nicht zu wenig Zeit, sondern zu viel zu tun. Oder besser: Wir glauben, zu viel zu tun zu haben.”

Prof. Dr. Geissler, Zeitforscher

Es ist also sinnvoll, sich ein gewisses informelles Fasten zu verordnen. Du musst z.B. nicht jedes Fun-Video, jedes Posting und jeden geteilten Beitrag Deiner virtuellen Freunde auf Facebook & Co. verfolgen. Sicher, diese Informationsgier ist menschlich, aber sie bringt Dich in diesen Fällen nicht weiter, da diese Informationen für dein Leben in den meisten Fällen völlig belanglos sind. Im Gegenteil: Sie rauben Dir Zeit fürs Wesentliche.

Sich auf eben diese wichtigen Dinge zu fokussieren, muss daher Hauptaugenmerk unseres Alltags sein und davon sollten wir uns auch möglichst wenig ablenken lassen. Es reicht, wenn Du deine E-Mails nur alle paar Stunden abrufst und auch nur alle 30-60 Minuten mal auf Dein Smartphone schaust. Wenn etwas Wichtiges passieren sollte, wird man Dich schon anrufen.

Selbst Zeit fürs Wesentliche schaffen

Konzentriere Dich auf das, was Du wirklich tun willst und sorge um jeden Preis dafür, dass Du in dieser Zeit auch von nichts abgelenkt wirst. Lerne, wieder im Hier und Jetzt zu leben, den Moment zu genießen und mache Deinem sozialen Umfeld klar, dass Du auf private (sofern nicht wichtige) Nachrichten eben nicht innerhalb von 4 Minuten antworten wirst.

Nimm’ Dir das Recht heraus, wenigstens in Deinem Privatleben Herr über Deine Zeit zu bleiben. Wenn Du es lernst, Dich mehr auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren und der Informations- und Kommunikationsgier unserer Zeit nicht bedingungslos folgst, wird Dein Alltag sehr viel entspannter sein.

Probiere es doch mal einfach aus, einen Tag oder eine Woche fokussiert zu leben und alle unnötigen Ablenkungsquellen so weit wie möglich zu reduzieren. Du wirst merken, dass Du nichts wichtiges verpasst, aber selbst umso effektiver arbeiten kannst.

Zusammenfassung

Die gefühlte Geschwindigkeit der Zeit hat sich durch die stark gewachsene Wirtschaft in den letzten beiden Jahrhunderten rasant beschleunigt. Die psychischen Folgen davon sind gemeinhin bekannt.
Wie in einem Hamsterrad oder einem sich selbst antreibenden Rad laufen wir immer schneller und schneller, um den Anforderungen des Alltags gerecht zu werden und stetig "up-to-date" zu bleiben.

Doch trotz der Tatsache, dass unsere heutige Gesellschaft uns diese Schnelllebigkeit vorgibt, können wir selbst etwas auf die Bremse treten, indem wir uns bewusst nur auf die wichtigen Dinge konzentrieren und nicht bedingungslos der ständigen Informations- und Kommunikationsgier nachkommen.

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Quellen

Knieps, F., & Pfaff, H. (n.d.). BKK Gesundheitsreport 2021.