Gewohnheiten ablegen: So funktioniert’s!

Der eine würde gerne mit dem Rauchen aufhören, der andere gerne weniger trinken. Die meisten Menschen würden gerne die einen oder anderen Gewohnheiten ablegen, wenn wir nur könnten.

Das bekannte Zitat “Der Mensch ist ein Gewohnheitstier” (Gustav Freytag) passt auf viele von uns wie die Faust aufs Auge. Wir alle haben irgendwo unsere festen Gewohnheiten und Abläufe im Kopf, von denen wir allzu oft überzeugt sind, sie niemals ablegen zu können. Für den einen ist es der ständige Griff zur Zigarette, für den nächsten das abendliche Feierabendbier und für den Dritten die permanente Lust auf Schokolade.

Aber nicht nur solch offensichtlich gesundheitsbeeinträchtigende Gewohnheiten verfolgen uns durch unseren Alltag. Auch eher harmlose Dinge, wie z.B. den Wecker jeden Morgen noch 3x weiter zu stellen oder alle Aufgaben immer erst auf den letzten Drücker abzugeben, bringen uns oft genug selbst zur Verzweiflung.

Was sind Gewohnheiten?

Von Gewohnheiten spricht man, wenn wir eine bestimmte Handlung so oft wiederholt haben, dass wir sie in gleichen oder ähnlichen Situationen ganz automatisch ausführen. Wir denken also nicht mehr über sie nach. Stattdessen haben wir diese oder jene Handlungsweise fest in unserem Gehirn als Reaktion auf etwas abgespeichert. Du hast Dich daran gewöhnt, es so und nicht anders zu machen.

Diese “Automatismen” haben evolutionsbedingt durchaus ihren Sinn. Hätten unsere Vorfahren jedes Mal erst nachdenken müssen, wenn der Säbelzahntiger angreift, wäre es ziemlich schnell aus und vorbei gewesen.

So musst auch Du heute nicht mehr wie ein Kleinkind erst überlegen, wie Du einen Fuß vor den anderen setzt. Du kannst völlig frei von Gedanken durch die Weltgeschichte spazieren. Genauso wie Du heute auch ohne nachzudenken Fahrrad fahren kannst oder Deine Hand automatisch weg ziehst, wenn Du Dich irgendwo mit ihr verbrennst.

Vorteile von Gewohnheiten

Würdest Du stattdessen über jede noch so kleine Handlung aktiv nachdenken müssen, würdest Du zu nichts mehr kommen. Du wärest maßlos überfordert. Sie stattdessen völlig unbewusst ausüben können, liegt daran, dass wir sie zuvor oft genug wiederholt haben.

Sicher erinnerst Du Dich noch an Deine erste Fahrstunde mit dem Auto. Wahrscheinlich war sie auch für dich eine regelrechte Herausforderung. Gleichzeitig solltest Du schalten, lenken, auf den Verkehr achten und auch noch auf den Fahrlehrer hören. Du konntest Dir nicht vorstellen, wie Du das alles einmal in deinen Kopf bekommen sollst.

Heute blickst Du vielleicht schon schmunzelnd auf diese Zeit zurück und stellst fest, dass Du Dich beim Fahren eigentlich gar nicht mehr konzentrieren musst. Es scheint, als würde Dein Unterbewusstsein ganz allein fahren, so oft hast Du alle Handgriffe durchgeführt.

Wie Du Gewohnheiten ablegen kannst

Mit Deinen schlechten Gewohnheiten – wie zum Beispiel dem Rauchen oder Trinken – verhält es sich genauso, wie mit Deiner Fähigkeit Auto fahren oder gehen zu können. Du hast sie irgendwann einmal so lange wiederholt, bis sie für Dich selbstverständlich und zu Automatismen wurden.

Bisher ist das in Deinem Kopf einfach so abgelaufen, ohne dass es Dir bewusst war. Der Trick, Deine schlechten oder ungewünschten Gewohnheiten abzulegen ist es nun, deinem Gehirn andere Gewohnheiten einzuprogrammieren. Hört sich sehr theoretisch an, oder?

Die Wissenschaft hat in verschiedenen Tests die Probe aufs Exempel gemacht. Sie wollte herausfinden, wie lange es dauert, bis ein Mensch etwas als Routine abgespeichert hat. Die Antwort darauf lautet: Bei den meisten Menschen etwa 21 Tage, andere Studien sprechen von 66 Tagen (Lally et al., 2010).

Wenn Du Dir nun z.B. für immer das Rauchen abgewöhnen oder ab sofort jeden Morgen 20 Situps machen willst, dann solltest Du einfach dafür sorgen, dass Du es für mindestens 21 Tage am Stück durchziehst. Wirst Du rückfällig, musst Du von vorne anfangen. Schaffst Du es jedoch, ist die Chance sehr groß, dass Dein Gehirn sich daran gewöhnt und die alten Routinen gelöscht hat.

Sollte Dein neues Vorhaben nach 21 durchgehaltenen Tagen wirklich noch nicht zur Gewohnheit geworden zu sein, gib’ bloß nicht auf! Das, was Du in den ersten beiden Abschnitten über die Funktionsweise Deines Gehirns gelernt hast, sind wissenschaftliche Fakten.

Dein Gehirn wird Deine geänderten Handlungsweisen also definitiv früher oder später (meist in weniger als 66 Tagen) als Routinen speichern und sie fortan als ganz normal erachten. Probiere es doch mal aus!

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Quellen

Lally, P., Van Jaarsveld, C. H., Potts, H. W., & Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European journal of social psychology, 40(6), 998-1009.