Macht Fernsehen dumm? Das sagt die Wissenschaft!
Die Antwort auf die Frage “Macht Fernsehen dumm?” scheint beantwortet. Forschungsergebnisse zeigen, wie regelmäßiger TV-Konsum uns unfähig macht, die Umgebung zu hinterfragen und uns Problemen zu stellen. Grund genug, endlich abzuschalten.
Der durchschnittliche Deutsche verbringt täglich 3 Stunden vor dem Fernseher, was aufs Leben hochgerechnet etwa 8-10 Jahre entspräche. Zeit, in der wir uns von der Realität abkoppeln und komatös in den Flimmerkasten schauen.
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Die Produktionsfirmen haben längst verstanden, dass sie für hohe Einschaltquoten einfach nur ein möglichst leicht verdauliches Programm und eine möglichst in die Länge gezogene Story schaffen müssen.
Da finden wir nackte Singles, die auf einer Insel ihren Traumpartner suchen oder Drehbücher, die statt in 90 Minuten erzählt zu werden, auf vier Staffeln gestreckt werden. Darüber hinaus “Wissenssendungen”, die uns darüber aufklären, dass am Wochenende in Hintertupfingen die längste Bratwurst der Welt zubereitet wurde.
“Fernsehen hilft den Dummen, dumm zu bleiben.”
Erhard Horst Bellermann
Doch obwohl sich gefühlt jeder über die Auswüchse der Fernseh- und Medienlandschaft zu amüsieren scheint, reißt die Nachfrage nach TV- und Streaming-Angeboten nicht ab.
Macht Fernsehen dumm?
Mehrere Untersuchungen, zuletzt durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen mit 23.000 Kindern und Jugendlichen, scheinen zu bestätigen, was viele schon vermutet haben. Der Intelligenzquotient verhält sich umgekehrt proportional zum Fernsehkonsum eines Menschen. Könnte heißen: Je mehr jemand fern sieht, umso dümmer scheint er zu sein oder zu werden.

Die Gründe dafür mögen schlüssig erscheinen. Wenn wir es uns vor dem Fernseher gemütlich machen, schaltet unser Gehirn ab. Wir befinden uns in einer Art komatösen Dämmerschlaf. Wir starren auf die Mattscheibe und saugen das Gesehene ungefiltert in unser Gehirn auf.
Durch diese Informationsflut verlernen wir zunehmend, uns selbst kritisch mit unserer Umwelt auseinander zu setzen und Informationen zu sammeln. Unser Gehirn verliert die Fähigkeit des selbständigen Denkens, da diese aufgrund der vollautomatischen Betankung mit Informationen immer weniger benötigt wird.
Beobachten lässt sich das oft daran, wie viele Menschen heute Aussagen der Medien zitieren, ohne sich selbst je tiefergehend mit dem Thema beschäftigt haben. Hinzu kommt, dass viele von uns im TV erlebte Ereignisse wie z.B. Terroranschläge nicht mehr fassen können und sich in Verschwörungstheorien verstricken, um dem eigenen Verstand die Ereignisse doch noch irgendwie plausibel erklären zu können. Das ist manchmal einfacher, als sich selbständig mit mit einem Thema auseinander zu setzen und eigenständig Informationen zu sammeln.
“Wenn wir diesen – die Köpfe der nächsten Generation vermüllenden – Medienkonsum einfach so weiterlaufen lassen, dann nähen wir in 20 Jahren die T-Shirts für China.”
Prof. Dr. Dr. Spitzer, deutscher Psychologe
Fernsehen & Intelligenz: Die Studienlage
In einer deutschen Studie verglich man speziell die Leistungszunahme von Kindern im Grundschulalter. Hierzu unterteilte man sie nach ihren TV-Gewohnheiten: Wenig-Seher (15-20min täglich), Normal-Seher (1 Std täglich) und Viel-Seher (mehr als 2 Stunden). Das Ergebnis: Die Kinder, die mehr fern sahen, zeigten eine deutlich schlechtere Leistungsentwicklung als die Wenig-Seher.
Eine neuseeländische Studie unter Robert Hancox von der Universität Otago mit 1.000 Kindern, die zwischen 1972 und 1973 geboren wurden, kam zu dem Schluss, dass die Kinder, die im Alter zwischen 5 und 11 Jahren am wenigsten fern gesehen hatten, am ehesten einen akademischen Abschluss erlangt hatten (Hancox, Milne, & Poulton, 2005).
Wie stark der Fernsehkonsum über die Jahre auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirkt, zeigt eine interessante Langzeituntersuchung. 3250 junge Erwachsene (zum damaligen Zeitpunkt jeweils um die 25 Jahre alt) schrieben sich bereits 1985 in eine von Dr. Tina Hoang begonnene Studie ein (Hoang et al., 2016). Alle fünf Jahre wurden sie nach ihren TV- und Freizeitaktivitäten befragt sowie schlussendlich nach 25 Jahren kognitiven Tests unterzogen. Das Ergebnis: Während sich im Bereich des verbalen Gedächtnisses zwischen Viel- und Wenig-Sehern kaum Unterschiede zeigten, waren die Viel-Seher, was ihre kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie ihre Exekutivfunktionen angeht, den Wenig-Sehern weit unterlegen.
Bedeutung für Deinen Alltag
Studierende wissen, dass Korrelationen nicht unbedingt etwas über den kausalen Zusammenhang aussagen müssen. Vielleicht ist es auch so, dass nicht das Fernsehen selbst der Verursacher ist. Vielleicht schauen weniger Intelligente oder Antriebslose einfach eher fern und verzerren so die Statistik.
Womöglich, weil sie gar nicht wissen, dass sie etwas aus ihrem Leben machen könnten und dadurch ihren Intellekt gewissermaßen zementieren. Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.
Unbestreitbar scheint jedoch folgendes. Die Zeit, die Du lethargisch vorm Fernseher liegst, bringt Dir in den meisten Fälle reichlich wenig bis gar nichts. Während Du im TV Leute verfolgst, die es im Leben geschafft haben, arbeiten andere an ihrem Erfolg und werden erfolgreicher.
Während Du Dich über angebliche “Assis” im TV amüsierst, weil Du denkst, besser zu sein, ziehen andere an Dir vorbei, weil sie am Schreibtisch büffeln oder dabei sind, ihre Träume zu realisieren.
Selbst wenn Du am Tag nur 2 Stunden vor der Glotze hängst, solltest Du dich einmal fragen, wie viel du erreichen könntest, wenn Du nur eine Stunde davon stattdessen mit Büchern, Sport oder der Arbeit an eben Deinen Visionen verbringen würdest.
Abschalten!
Geh’ mit gutem Beispiel voran und schalte ab. Du wirst schon nach wenigen Tagen feststellen, dass Dir nicht wirklich etwas fehlt, geschweige denn, dass Du irgend etwas verpasst.
Mal ehrlich: Durch den Konsum von Casting-Shows, Koch-Sendungen und Ärzte-Serien wirst Du in deinem Leben weder weiter kommen, noch glücklicher werden oder auch nur einen Euro verdienen.
Um es mit den Worten von Peter Lustig zu sagen: “Ihr wisst ja: abschalten“!
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Hancox, R. J., Milne, B. J., & Poulton, R. (2005). Association of television viewing during childhood with poor educational achievement. Archives of pediatrics & adolescent medicine, 159(7), 614-618.
Hoang, T. D., Reis, J., Zhu, N., Jacobs, D. R., Launer, L. J., Whitmer, R. A., ... & Yaffe, K. (2016). Effect of early adult patterns of physical activity and television viewing on midlife cognitive function. JAMA psychiatry, 73(1), 73-79.